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Kreisverband
Rügen-Stralsund e. V.

Lagebericht für das Geschäftsjahr 2017

Darstellung des Geschäftsverlaufs

Der Verein "Deutsches Rotes Kreuz Kreisverband Rügen-Stralsund e.V." ist gemeinnützig und agiert in der Kreis- und Hansestadt Stralsund sowie auf der Insel Rügen. Die Leistungen selbst werden somit durch den Verein in Teilen des Landkreises Vorpommern-Rügen erbracht.

Die Kreisstadt Stralsund ist mit 59.610 Einwohnern (Stand 31.12.2017) hauptsächlich durch mittelständisches Gewerbe, die Schiffbauwerft sowie Tourismus und Gesundheits-einrichtungen geprägt und gehört zu einem der vier Oberzentren Mecklenburg-Vorpommerns. Dabei ist zu verzeichnen, dass sich immer mehr innovative Dienstleistungs- und Hightechunternehmen ansiedeln und Stralsund vom demographischen Zuzug junger Familien profitiert.  Dagegen ist die Insel Rügen mit 65.564 Einwohnern (Stand 31.12.2016) eher kleinstädtisch-ländlich geprägt mit einer starken Tourismusorientierung sowie kleinen, mittelständischen Unternehmen. Der Kreisverband arbeitet überwiegend im eher dünn besiedelten ländlichen Raum der Insel Rügen. Er gehört zu den großen Arbeitgebern der Region und nimmt allein dadurch eine herausragende Stellung im öffentlich-gesellschaftlichen Leben ein.

Die Grundlagen für den Verein stellen die Satzung, die Strategie 2020 der Internationalen Föderation des Roten Kreuzes unter der Losung "Saving Lives, Changing Minds" „Menschen helfen, Gesellschaft gestalten“ und die Strategie 2010plus des Deutschen Roten Kreuzes dar. Diese benennen als wichtigste Aufgaben in der ideellen Arbeit die Verbreitung der Gedanken des humanitären Völkerrechts, die Katastrophenhilfe, den Katastrophenschutz und die Verbesserung des Gesundheits- und Sozialwesens auf lokaler Ebene. Diese Kernaufgaben der Föderation sind international für alle Rotkreuzorganisationen verbindlich und sind wichtigster Teil der Vereinsarbeit.

Zu den tragenden Säulen der ideellen Arbeit auf Kreisverbandsebene gehören die Verbreitung der Gedanken des humanitären Völkerrechts, die Gesundheitserziehung, die Wasserrettung, die Benachteiligten- und Nachbarschaftshilfe, die Bevölkerungsausbildung, die Blutspenderversorgung, die Auslandshilfe, der Suchdienst, der Katastrophenschutz und die Wohlfahrts- und Sozialarbeit. Diese Aufgaben werden durch 12 Ortsvereine, den Bereitschaften Sanitätszug, Betreuungszug und Medical Task Force sowie die Gemeinschaften Wohlfahrts- und Sozialarbeit, Wasserwacht und Jugendrotkreuz umgesetzt.
Die ideelle Arbeit stellt im Verein eine Querschnittsaufgabe dar. Hierbei verzahnen Haupt- und Ehrenamt in den Kern- und Vernetzungsaufgabenfeldern zum gegenseitigen Vorteil.

Die Idee des Vereins lebt vor allem durch seine ca. 420 aktiven ehrenamtlichen Mitglieder. Im Ergebnis dessen können Anwaltschaft, Nachbarschaftshilfe, Besuchsdienst, Benachteiligtenhilfe, Auslandshilfe, Konventionsarbeit, Beratung, Wasserrettung, Suchdienst, Blutspenderversorgung und Katastrophenschutz unentgeltlich im Rahmen der weltweiten Kampagne „Menschen helfen, Gesellschaft gestalten“ und der deutschlandweiten Kampagne „Zeichen Setzen“ als Rotkreuzdienstleistungen angeboten werden. Die ehrenamtliche, ideelle Arbeit führt zu einer positiven Imagebildung für den gesamten Verein.

Über Jahre hat sich der Verein dank der fördernden Mitglieder und Spender sowie Projektzuweisungen und einer Konzentration auf die Kernaufgaben eine ausgewogene Finanzsituation erarbeitet. Zum Stichtag am 31. Dezember 2017 waren in Stralsund und auf Rügen 3.731 Bürger Mitglied des Vereins, das sind ca. 2,87 % der Bevölkerung im Aktionsgebiet. Insgesamt ist über die Jahre ein leichter Rückgang der Mitgliederzahlen zu verzeichnen. Vor allem vor dem Hintergrund, dass herkömmliche Mitgliederwerbungen nicht mehr greifen und Menschen innerhalb eines gesellschaftlichen Wertewandels eine jedwede auf Dauer angelegte Mitgliedschaft zunehmend ablehnen. Durch geeignete Maßnahmen gelingt es dem Verein aber diesen Verlauf zu verlangsamen.

Zur Verwirklichung der gemeinnützigen, satzungsgemäßen Förderung von Gesundheit, Wohlfahrt, Familie und Jugend betreibt der Verein folgende Zweckbetriebe:

  • ambulante und stationäre Pflege
  • Behindertenhilfe
  • Rettungsdienst
  • Familie und Bildung sowie Service Wohnen

Das Portfolio kann als weitgehend ausgewogen bezeichnet werden.

In der vollstationären Pflege hält der Verein mit seinen 5 Pflegeeinrichtungen mit einer Kapazität von insgesamt 384 Betten rund 60 % aller vollstationären Pflegeeinrichtungsplätze auf der Insel Rügen vor. Im Berichtsjahr waren die Pflegeeinrichtungen des Vereins durchschnittlich zu 99,39 % ausgelastet. Die daraus resultierenden Erträge aus satzungsgemäßen Betätigungen betragen 12.184 TEUR. Die hohe Auslastung ist aus der Sicht des Vereins im Wesentlichen auf die qualitativ hochwertigen Pflegeleistungen und die sehr guten Ergebnisse im Rahmen der durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen durchgeführten Qualitätsprüfungen zurückzuführen. Im Durchschnitt wurde den vollstationären Pflegeeinrichtungen des Vereins die Note 1,08 erteilt. Dieses Ergebnis ist deutlich besser als der Landesdurchschnitt aller geprüften Pflegeeinrichtungen im Land Mecklenburg-Vorpommern. Das Ergebnis dieses Geschäftsbereichs ist im Berichtsjahr durch außerplanmäßige Abschreibungen auf das Gebäude der Pflegeeinrichtung in Binz belastet, da der Verein in absehbarer Zeit einen Ersatzneubau plant. Der verbliebene Restbuchwert wird durch die zufließenden Investitionskostenpauschalen refinanziert.

Die Tagespflege war im Berichtsjahr durchschnittlich zu 82,20 % ausgelastet. Das ist etwas weniger als im Vorjahr. Zum Jahresende war jedoch ein kontinuierlicher Anstieg in der Belegung zu verzeichnen. Wie auch in den Vorjahren gestaltete sich der Transport der Tagesgäste aus weiter entfernten Ortschaften problematisch.

In der ambulanten Pflege war auch im aktuellen Berichtsjahr wieder ein hoher Wettbewerbsdruck mit den auf der Insel Rügen und in der Hansestadt Stralsund agierenden privaten Pflegediensten zu verzeichnen. Dem begegnete der Verein erfolgreich mit Seriosität, hoher Qualität und positiver Außenwirkung seiner 5 Sozialstationen. In allen ambulanten Einrichtungen war ein deutlicher Kunden- und Umsatzzuwachs zu verzeichnen. Die Gesamtanzahl der versorgten Kunden der ambulanten Einrichtungen konnte in 2017 gegenüber dem Vorjahr um 5 % gesteigert werden.

Besonders im Versorgungsbereich der Sozialstation Baabe war aufgrund der Geschäftsaufgabe eines privaten Mitbewerbers eine deutlich erhöhte Nachfrage spürbar. Zusätzlich übernahm die Einrichtung die Betreuung einer kommunalen Wohnanlage in Binz mit 43 Wohneinheiten. Das Betreuungsangebot in der Wohnanlage in Binz konnte durch fachliche Kompetenz weiter ausgebaut werden.

Auch die Sozialstation Sassnitz konnte im Berichtsjahr ein enormes Auftragswachstum von rund 24 % erzielen. Der gute Kontakt zu den lokalen Arztpraxen, aber auch ein sehr hohes persönliches Engagement der Mitarbeiter haben diese Entwicklung ermöglicht.

In den Qualitätsprüfungen bescheinigte der Medizinische Dienst der Krankenkassen allen
5 Sozialstationen des Vereins eine sehr gute Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität. Im Durchschnitt wurde den ambulanten Pflegeeinrichtungen des Vereins die Note 1,2 erteilt.

In der Behindertenhilfe verzeichneten die 2 Wohnheime für behinderte Menschen mit angegliedertem Trainingswohnen und das ambulant betreute Wohnen, die Werkstatt für behinderte Menschen, die Obdachlosenunterkunft und die Schule eine sehr stabile Auslastung. Dies spricht für eine qualitativ hochwertige Betreuung und sozial verträgliche Kostensätze.

In den Wohnheimen, dem Trainingswohnen und dem ambulant betreuten Wohnen werden insgesamt 120 Menschen betreut und gefördert. Selbstbestimmtes Leben ist stets der Ansatz dieser Hilfen.

In der Werkstatt für behinderte Menschen in Bergen auf Rügen und ihren Betriebsstätten arbeiten derzeit 230 Mitarbeiter. Weiteren Anfragen behinderter Menschen, eine Beschäftigung im Verein aufzunehmen, kann der Verein jederzeit entsprechen. Neben der ausgezeichneten beruflichen Qualifikation der behinderten Menschen leisten die Rügener Werkstätten durch ihre qualitativ hochwertigen Produkte und Dienstleistungen einen besonderen Anteil am positiven Ansehen des Vereins im Einzugsgebiet und darüber hinaus.

In der Schule Patzig mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung wurden 2017 im Durchschnitt täglich 60 Schüler unterrichtet. Ständig ist die Schule auf der Suche nach neuen pädagogischen Möglichkeiten und neuen Methoden, den Lehrstoff für ihre Schüler individuell zu gestalten.

Die OLUK ist in Stralsund und Umgebung die einzige Einrichtung für obdachlose Menschen. Ziel ist, die Nutzer der OLUK durch eine grundlegende Hilfe und Anleitung zu befähigen, ein normales, subjektiv zufriedenes und selbstorganisiertes Leben in einer eigenen Wohnung, mit einem eigenen Einkommen und mit einer regelmäßigen Beschäftigung im Rahmen der gesetzlichen Normen zu führen. Die Kapazität der Obdachlosenunterkunft (OLUK) betrug im Berichtsjahr 38 Plätze, welche durchschnittlich zu 91,4 % ausgelastet waren. Der Kostensatz zusammen mit dem Zuschuss der Stadt Stralsund sorgen für eine stabile wirtschaftliche Situation.

Das Interesse älterer Bürger an den Wohnungen im Service Wohnen in Bergen-Rotensee mit 30 Wohnungen und in Stralsund am Strelasund mit 66 Wohnungen war auch im aktuellen Berichtsjahr groß. Das gestiegene Nachfrageverhalten ist auf gezielte Akquise in den sozialen Netzwerken zurück zu führen. Selbstbestimmtes Wohnen im Alter, in eigener Häuslichkeit und sich nicht allein gelassen fühlen, ist die attraktive Wohnform für Senioren unserer Wohnanlagen. Die Mitarbeiter vor Ort leisten auf hohem Niveau eine sehr gute Arbeit. Dies zeigt sich auch darin, dass von den über 90-jährigen Bewohnern immer noch viele aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

Die Einsatzzahlen im Rettungsdienst im Geschäftsjahr 2017 haben zum Vorjahr eine Steigerung von ca. 20 Prozent zu verzeichnen. Durch die vorsorglich vom Verein eingeleiteten Maßnahmen, wie zum Beispiel die Steigerung der Attraktivität der Notarztstützpunkte als auch die Beschaffung neuesten medizinischen Equipments für die Notfallrettung, konnte wie in den Vorjahren auch die Besetzung aller Notarztstützpunkte in Bergen, Sassnitz und Baabe ohne Defizite rund um die Uhr an allen Tagen im Jahr sichergestellt werden. Weiterhin sind im Rahmen der 3-jährigen Ausbildung zum Notfallsanitäter 9 Auszubildende eingestellt worden. Das erfolgreich etablierte Qualitätsmanagement nach der DIN ISO 9001:2015 im Rettungsdienst ist im November erneut im Rahmen der Rezertifizierung durch die DEKRA ausgezeichnet worden. Gleichzeitig haben die Planungsarbeiten für den Neubau der Lehrrettungswache Stralsund begonnen. Die Zustimmung der Kostenträger liegt bereits vor.

Durch die Neuordnung des Fahrdienstes im Kreisverband ist es uns auch in diesem Jahr gelungen, ein ausgeglichenes Ergebnis zu erwirtschaften und somit die vorhandenen Arbeitsplätze langfristig zu sichern. In diesem Zusammenhang ist auf dem Nachbargrundstück der Werkstatt für behinderte Menschen ein Technik- und Ausbildungszentrums geschaffen worden, in dem auch der Fahrdienst integriert wurde.

Auch der Geschäftsbereich Familie und Bildung zeigt über Jahre eine stabile Entwicklung. Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen in den Kindertageseinrichtungen (Kita´s) auf Rügen und in Stralsund ist nach wie vor hoch. Die langen Wartelisten, für teilweise bis zu 3 Jahren im Voraus, zeigen wie groß der Bedarf ist. Es war außerdem festzustellen, dass wieder viele Familien auf die Insel ziehen und sehr kurzfristig einen Krippen- oder Kindergartenplatz benötigten. Einzige Ausnahme war die Kita Garz, in der kurz vor Betreuungsbeginn zwei Krippenplätze durch die Personensorgeberechtigten abgesagt wurden. Diese konnten nicht sofort wieder belegt werden, da sich zu diesem Zeitpunkt keine Kinder auf der Warteliste befanden. Auch im Kindergartenbereich konnte eine hohe Auslastung aufgrund geringer Nachfrage nicht erreicht werden. Nach der Kapazitätserhöhung im Hort in Stralsund im Jahr 2016 sind die Räumlichkeiten aufgrund der Doppelnutzung mit der Schule sehr knapp geworden. Im April 2018 konnte der Hort in das von der Volkshochschule leer gezogene Obergeschoss ziehen. Hier ist nun genügend Platz für die 150 Kinder.

In den Kitas Baabe und Göhren wurde bereits 2016 je eine Auszubildende zur staatlich anerkannten Erzieherin eingestellt. Im Berichtsjahr konnte dies auch in den Kitas Fröbel und Bergen-Süd umgesetzt werden.

Die Kita Göhren feierte im Berichtsjahr ihr 70-jähriges Bestehen. Kinder, Erzieher, Eltern und viele Gäste aus dem Ort und der Umgebung konnten sich an der bildhaft gestalteten Chronik über die Geschichte der Kita informieren.

Die Auslastung der Kurse im Haus der Familie in Stralsund gestaltet sich, trotz vielseitigem Angebot, schwierig. Besonders bei Sportkursen und Kursen mit Babys ist der Wettbewerbsdruck sehr hoch. Dem wird versucht mit innovativen Angeboten entgegen zu wirken.

Darstellung der Lage des Vereins

Die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Vereins ist geordnet. Der Verein war zu jeder Zeit in der Lage, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Im Branchenvergleich verfügt er über eine gute Bonität und gefestigte Bilanz.

Die Bilanzsumme des Vereins beträgt 55.632 TEUR. Die Bilanzstruktur hat sich gegenüber dem Vorjahr nicht wesentlich verändert. Das Sachanlagevermögen in Höhe von
39.972 TEUR ist langfristig durch Eigenkapital, Sonderposten aus Zuschüssen und Zuweisungen zur Finanzierung des Sachanlagevermögens und Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten finanziert. Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sind kurzfristig realisierbar. Die liquiden Mittel des Vereins und die kurzfristig realisierbaren Forderungen reichen aus, den kurzfristigen Verbindlichkeiten und Rückstellungen nachzukommen. Durch die Rückstellungen wird allen erkennbaren Risiken des Vereins Rechnung getragen.

Das Berichtsjahr wurde mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen. Die Erträge aus satzungsmäßigen Betätigungen sind gegenüber dem Vorjahr um rund 6 % angestiegen. Diese Erträge wurden im Wesentlichen in folgenden Geschäftsbereichen erzielt:

Geschäftsbereich Erträge
ambulante und stationäre Pflege 52 %
Behindertenhilfe 16 %
Rettungsdienst 19 %
Familie und Bildung sowie Service Wohnen 10 %

Die hierfür erforderlichen Personalaufwendungen betragen rund 71 % dieser Erträge.

Chancen und Risiken der künftigen Entwicklung

Für den Verein bestehen derzeit keine bestandsgefährdenden Risiken.

Die künftige Entwicklung des Vereins als sozialer Dienstleister im Bereich der Gesundheits- und Wohlfahrtspflege hängt stark von der Vorgabe der Rahmenbedingungen durch den Gesetzgeber ab. Aufgrund der hohen Verschuldung der öffentlichen Haushalte und Sonderausgaben in der deutschen und europäischen Asylpolitik wird die notwendige Haushaltskonsolidierung voraussichtlich auch zu Einsparungen im sozialen Bereich führen. Bei der Anfang 2018 neu konstituierten Bundesregierung bleibt abzuwarten, welche Gesetzesinitiativen mit welchen Zielsetzungen gestartet werden.

Perspektivisch kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Ertragskraft einiger Geschäftsbereiche nachlassen wird. Der Verein beobachtet und analysiert die Entwicklungen fortlaufend, um jederzeit vorbereitet zu sein und reagieren zu können.

Die natürliche territoriale Abgrenzung als Insel verringert nur noch partiell Markteinflüsse. Die Hansestadt Stralsund, als Kreisstadt des Landkreises Vorpommern-Rügen, liegt als Ober- und Verwaltungszentrum auf dem Festland. Durch die Mitarbeit in wichtigen Gremien sowie mit verschiedenen Partnern, die im Gesundheits- und sozialen Dienstleistungsbereich eine steuernde und gestaltende Wirkung im neuen Landkreis ausüben, verstärkt der Verein seine Chance, seine Leistungen für pflege- und hilfsbedürftige Menschen einzubringen. Der Verein wird dies weiter forcieren und sein Leistungsangebot auf dem Festland ausbauen.

Insgesamt ist festzustellen, dass seit der Kreisgebietsreform 2011 aus der ländlichen Fläche öffentliche Ämter und Verwaltungsangestellte in das Oberzentrum und die neue Kreisstadt Stralsund abgewandert sind. Dies hat für die Insel Rügen zu einer Ausdünnung und einer immer stärkeren Ausrichtung als ländliches Umfeld des wirtschaftlichen und politischen Oberzentrums Hansestadt Stralsund geführt. Dieser Prozess scheint abgeschlossen.

Trotz vorhandener struktureller und organisatorischer Stärken spürt der Verein in der vollstationären und ambulanten Pflege sowie in der Behindertenhilfe zunehmend den Marktdruck von Mitbewerbern. Dies wird durch den Verein aber als Chance zur Selbstreflexion und Implementierung von Veränderungen gesehen. Der Verein wird weitere Anstrengungen unternehmen, um seine Position im sich verändernden Sozialmarkt zu festigen.

In den umsatzstarken Geschäftsbereichen - vollstationäre und ambulante Pflege, Rettungsdienst, Behindertenhilfe und Familie und Bildung - besteht eine große Abhängigkeit von den Vertragspartnern und Kostenträgern. So hängen die erzielbaren Erlöse in sehr hohem Maße von den Ergebnissen der Verhandlungen und von zentralen gesetzlichen Festlegungen ab. Sie bestimmen maßgeblich den Rahmen wirtschaftlichen Handelns und beeinflussen sowohl das Marktvolumen als auch die Preise der Angebote äußerst intensiv. Insgesamt ist in allen Geschäftsbereichen ein steigender Kostendruck zu verzeichnen. Der Verein versucht dem durch höhere Leistungsqualität, Kostensenkungen, Optimierung von Abläufen, Transparenz und Offenheit gegenüber den Kostenträgern zu begegnen. Deshalb kann das allgemeine Geschäftsrisiko - auch aufgrund der gesunden wirtschaftlichen Basis - als gering eingestuft werden.

Im Januar 2016 trat das Pflegestärkungsgesetz II (PSG II) in Kraft. Der Verein wurde stark gefordert, um die gesetzlichen Änderungen umzusetzen. Wie bereits mit dem Pflegestärkungsgesetz I begonnen, wird die ambulante Pflege gegenüber der stationären Pflege in der Zukunft weiter gestärkt.


Einer der großen Unsicherheitsfaktoren im Rahmen der Umstellungen der Pflegestärkungsgesetze bestand und besteht weiterhin in der Ungewissheit in Bezug auf die Entwicklung der Pflegegradstruktur. Die Überleitungsregelungen haben zu einer, zurzeit hohen aber tendenziell „aufgeblähten“ Bewohnerstruktur geführt, die sich langfristig voraussichtlich hin zu niedrigeren Pflegegraden verschieben wird. Das Ausmaß dieses Austausch-Vorgangs, der auch als Rothgang-Effekt bezeichnet wird, lässt sich bislang nicht absehen. Es ist aber davon auszugehen, dass langfristig der durchschnittliche Pflegegrad sinken wird. Dies hat neben der Veränderung der Bewohnerstruktur auch betriebswirtschaftliche Konsequenzen. Jede Veränderung der Pflegegradstruktur führt zu einer Verschiebung der im Rahmen der Überleitung erstellten Mischkalkulation - es drohen je nach Ausmaß der Veränderungen erhebliche Verlustrisiken. Der Verein hat das erkannt und untersucht engmaschig die aufgezeigten Entwicklungen der Pflegegradstruktur und die relevanten Kennzahlen je Pflegegrad. Ziel ist es, für die Einrichtung einen realistischen und vorteilhaften Pflegegradmix mit diesem Wissen in künftigen Pflegesatzverhandlungen zu verhandeln, um den oben beschriebenen Risiken entgegen zu wirken.

Das Interesse an Einrichtungsplätzen ist unverändert hoch. In den Einrichtungen wird eine „Warteliste“ geführt. Freie Pflegeplätze sind in der Regel nach sieben bis neun Tagen neu besetzt. Unverändert ist die Pflegebedürftigkeit bei Einzug in die Pflegeeinrichtungen gestiegen. In der Regel erfolgt der Einzug, wenn die ambulante Pflege nicht mehr ausreichend ist oder pflegende Angehörige mit der Situation überfordert sind.

Im Rahmen der Dienstleistung Rettungsdienst wurde die Sicherstellung von Notarztstützpunkten mit Notärzten im Rettungsdienstbereich Rügen vertraglich geregelt. Die Sicherstellung erfolgt überwiegend mit Notärzten, die als Honorarkräfte tätig sind. Durch die Deutsche Rentenversicherung (DRV) wurde eine Überprüfung der Honorarärzte auf Sozialversicherungspflicht durchgeführt. Im Rahmen dieser Prüfung wurde eine Sozialversicherungspflicht für diese Berufsgruppe festgestellt und entsprechend abgerechnet. Der Gesetzgeber hat hierzu für die Zukunft neue Regeln geschaffen, sodass wir in gewohnter Art und Weise mit Honorarkräften die Notarztstützpunkte besetzen können. Trotz der knappen Verfügbarkeit von Notärzten ist es uns gelungen 2 Notärztinnen fest anzustellen. Gleichzeitig erfolgte im Rahmen unserer vertraglichen Vereinbarung mit dem Sana-Krankenhaus Rügen GmbH eine Anpassung des bestehenden Vertrages, so dass auch diese Notärzte zur Sicherstellung der Notarztstützpunkte effizienter eingesetzt werden können.

Der Eigenbetrieb Rettungsdienst des Landkreises V-R sorgt kontinuierlich im Rahmen seiner Zuständigkeit für die Neu- und Ersatzbeschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, so dass mittelfristig davon auszugehen ist, dass der Fahrzeugbestand des Rettungsdienstes auf dem neuesten Stand ist. Da sich die Akquise des Rettungsdienstpersonals auf Grund des neuen Notfallsanitätergesetzes sehr schwierig gestaltet, haben wir uns entschieden, weitere 7 Auszubildende zum Notfallsanitäter einzustellen.

Auch in diesem Berichtsjahr musste sich der Verein der bestehenden verschärften Konkurrenzsituation auf dem Arbeitsmarkt um gut ausgebildetes Fachpersonal stellen. Es wurde deutlich schwieriger, freiwerdende Stellen mit einem speziellen Anforderungsprofil zeitnah zu besetzen. Eine faire Bewertung der Arbeitsleistung, eine attraktive betriebliche Altersvorsorge, eine Zusatzgratifikation und ein umfangreiches betriebliches Gesundheitsmanagement tragen dazu bei, dass der Verein seine starke Position auf dem Markt für gut ausgebildete Fachkräfte halten konnte.

Um die Attraktivität der Arbeitsverhältnisse weiter zu erhöhen, wurden im Berichtsjahr eine neue Beschäftigungs- und Entgeltvereinbarung verabschiedet und Lohnerhöhungen für verschiedene Sparten des Unternehmens beschlossen und umgesetzt.

Für die Zukunft plant der Verein ein Maßnahmenbündel, um dem zunehmenden Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Über eine strategische Personalplanung wird der zukünftige Personalbedarf ermittelt, der über ein verbessertes Personalmarketing, verstärkte Aus- und Weiterbildung, intensivere Zusammenarbeit mit Hoch- und Fachschulen und dem verstärkten Nutzen von Synergieeffekten gedeckt werden soll.

Insgesamt kann eingeschätzt werden, dass dem Verein in seiner Geschäftstätigkeit nur übliche Risiken für geschäftliche Betätigung drohen, denen der Verein durch intensive Verhandlungsvorbereitung, durch ein zeitnahes Controlling sowie durch konsequentes Steuern der Einrichtungen in den Geschäftsbereichen begegnet. Auf diese Weise werden mögliche Risiken frühzeitig erkannt und minimiert.

Voraussichtliche Entwicklung

Das Deutsche Rote Kreuz sieht sich im gegenwärtigen Jahrzehnt großen Herausforderungen gegenüber. Um diese Aufgaben erfolgreich zu meistern, wird die Strategie 2010plus durch das Eckpunktepapier "Menschen helfen - Gesellschaft gestalten“ weitergeführt und das Profil des Roten Kreuzes 2018 durch die neue Kampagne „Zeichen Setzen“ weiter geschärft.

Für eine inhaltliche Profilbildung muss darüber hinaus der humanitäre Ansatz klar ersichtlich sein und die Gesellschaft vom Nutzen und Mehrwert des Roten Kreuzes überzeugt werden. Dies ist der Schlüssel dafür, dass der Verein für seine ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter, seine Kunden sowie fördernden Mitglieder und Spender attraktiv bleibt.

Für das Berichtsjahr 2018 geht der Verein basierend auf dem Wirtschaftsplan von einem ausgeglichenen Ergebnis aus. Wegen des weiter steigenden Kostendrucks im Gesundheitswesen rechnet der Verein kurz- bis mittelfristig inflationsbereinigt nicht mit größeren Umsatzsteigerungen. Das erfordert weitere Anstrengungen auf der Kostenseite und eine noch intensivere Prüfung von Investitionen bezüglich ihrer Refinanzierung, um auch zukünftig Verluste zu vermeiden.

Zusammenfassend wird eingeschätzt, dass der Verein „Deutsches Rotes Kreuz Kreisverband Rügen-Stralsund e. V.“ den Aufgaben der Zukunft gewachsen ist.

Bergen auf Rügen, 19. Juni 2018

Gerhard Konermann Jens Witschel André Waßnick
Vorsitzender des Vorstandes Mitglied des Vorstandes Mitglied des Vorstandes