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Kreisverband
Rügen-Stralsund e. V.

Lagebericht für das Geschäftsjahr 2015

Darstellung des Geschäftsverlaufs

Der Verein "Deutsches Rotes Kreuz Kreisverband Rügen-Stralsund e.V." ist gemeinnützig und agiert in der Kreis- und Hansestadt Stralsund sowie auf der Insel Rügen. Die Leistungen selbst werden somit durch den Verein in Teilen des Landkreises Vorpommern-Rügen erbracht.

Die Kreisstadt Stralsund ist mit 57.357 Einwohnern (Stand 31.12.2014) hauptsächlich durch mittelständisches Gewerbe sowie Tourismus und Gesundheitseinrichtungen geprägt und gehört zu einem der vier Oberzentren Mecklenburg-Vorpommerns. Dagegen ist die Insel Rügen mit 64.366 Einwohnern (Stand 31.12.2014) eher kleinstädtisch-ländlich geprägt mit einer starken Tourismusorientierung sowie kleinen, mittelständischen Unternehmungen. Der Kreisverband arbeitet überwiegend im eher dünn besiedelten ländlichen Raum der Insel Rügen. Er gehört zu den großen Arbeitgebern der Region und nimmt allein dadurch eine herausragende Stellung im öffentlich-gesellschaftlichen Leben ein.

Die Grundlagen für den Verein stellen die Satzung, die Strategie 2011-2020 der Internationalen Föderation des Roten Kreuzes unter der Losung "Saving Lives, Changing Minds" "Menschen helfen, Gesellschaft gestalten" und die Strategie 2010plus des Deutschen Roten Kreuzes dar. Diese benennen als wichtigste Aufgaben in der ideellen Arbeit die Verbreitung der Gedanken des humanitären Völkerrechts, die Katastrophenhilfe, den Katastrophenschutz und die Verbesserung des Gesundheits- und Sozialwesens auf lokaler Ebene. Diese Kernaufgaben der Föderation sind international für alle Rotkreuzorganisationen verbindlich und sind wichtigster Teil der Vereinsarbeit.

Zu den tragenden Säulen der ideellen Arbeit auf Kreisverbandsebene gehören die Verbreitung der Gedanken des humanitären Völkerrechts, die Gesundheitserziehung, die Wasserrettung, die Benachteiligten- und Nachbarschaftshilfe, die Bevölkerungsausbildung, die Blutspenderversorgung, die Auslandshilfe, der Suchdienst, der Katastrophenschutz und die Wohlfahrts- und Sozialarbeit. Diese Aufgaben werden durch 13 Ortsvereine, den Bereitschaften Sanitäts- und Betreuungszug sowie die Gemeinschaften Wohlfahrts- und Sozialarbeit, Wasserwacht und Jugendrotkreuz umgesetzt.

Die ideelle Arbeit stellt im Verein eine Querschnittsaufgabe dar. Hierbei verzahnen Haupt- und Ehrenamt in den Kern- und Vernetzungsaufgabenfeldern zum gegenseitigen Vorteil.

Über Jahre hat sich der Verein dank der fördernden Mitglieder und Spender sowie Projektzuweisungen und einer Konzentration auf die Kernaufgaben eine ausgewogene Finanzsituation erarbeitet. Zum Stichtag am 31. Dezember 2015 waren in Stralsund 819 und auf Rügen 2.939 Bürger Mitglied des Vereins, das sind ca. 3,08 % der Bevölkerung im Aktionsgebiet. Insgesamt ist über die Jahre ein Rückgang der Mitgliederzahlen zu verzeichnen. Vor allem vor dem Hintergrund, dass herkömmliche Mitgliederwerbungen nicht mehr greifen und Menschen innerhalb eines gesellschaftlichen Wertewandels eine jedwede auf Dauer angelegte Mitgliedschaft ablehnen.

Die Idee des Vereins lebt vor allem durch seine ca. 400 aktiven ehrenamtlichen Mitglieder. Im Ergebnis dessen können Anwaltschaft, Nachbarschaftshilfe, Besuchsdienst, Benachteiligtenhilfe, Auslandshilfe, Konventionsarbeit, Beratung, Wasserrettung, Suchdienst, Blutspenderversorgung und Katastrophenschutz unentgeltlich im Rahmen der weltweiten Kampagne "Menschen helfen, Gesellschaft gestalten" als Rotkreuzdienstleistungen angeboten werden. Die ehrenamtliche, ideelle Arbeit führt zu einer positiven Imagebildung für den gesamten Verein.

Zur Verwirklichung der gemeinnützigen, satzungsgemäßen Förderung von Gesundheit, Wohlfahrt, Familie und Jugend betreibt der Verein folgende Zweckbetriebe:

  • ambulante und stationäre Pflege
  • Behindertenhilfe
  • Rettungsdienst
  • Familie und Bildung sowie Service Wohnen

Das Portfolio kann als weitgehend ausgewogen bezeichnet werden.

In der vollstationären Pflege hält der Verein mit seinen 5 Pflegeeinrichtungen mit einer Kapazität von insgesamt 384 Betten rund 60 % aller vollstationären Pflegeeinrichtungsplätze auf der Insel Rügen vor. Im Berichtsjahr waren die Pflegeeinrichtungen des Vereins durchschnittlich zu 99,4 % ausgelastet. Die daraus resultierenden Erträge aus satzungsgemäßen Betätigungen betragen 10.952 TEUR. Die hohe Auslastung ist aus der Sicht des Vereins im Wesentlichen auf die qualitativ hochwertigen Pflegeleistungen und die sehr guten Ergebnisse im Rahmen der durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen durchgeführten Qualitätsprüfungen zurückzuführen. Im Durchschnitt wurde den vollstationären Pflegeeinrichtungen des Vereins die Note 1,04 erteilt. Dieses Ergebnis ist deutlich besser als der Landesdurchschnitt aller geprüften Pflegeeinrichtungen im Land Mecklenburg-Vorpommern.

Der Verein erwarb am 23. Dezember 2014 von der Arbeiterwohlfahrt Bremerhaven 75 % der Geschäftsanteile der "BLW Betreutes Leben und Wohnen Seniorenzentrum Saßnitz GmbH" in Sassnitz. Der "Verein" betreibt somit zusammen mit der Stadt Sassnitz eine weitere vollstationäre Pflegeeinrichtung. Mit den 80 vollstationären Pflegeplätzen der Gesellschaft zeichnet der Kreisverband für 72 % aller vollstationären Pflegeplätze auf der Insel Rügen verantwortlich.

Die Tagespflege war im Berichtsjahr durchschnittlich zu 83,89 % ausgelastet. Das ist deutlich mehr als im Vorjahr, und die Nachfrage zu diesem Angebot steigt ständig. Wie auch in den Vorjahren gestaltet sich der Transport der Tagesgäste weiterhin problematisch. Es wurde zwar die Festlegung getroffen, dass nur noch Gäste aus der unmittelbaren Umgebung der Stadt Bergen auf Rügen aufgenommen werden können, dennoch werden auch noch Tagesgäste aus Garz und Baabe gepflegt und betreut.

In der ambulanten Pflege war auch im aktuellen Berichtsjahr wieder ein hoher Wettbewerbsdruck mit den auf der Insel Rügen und in der Hansestadt Stralsund agierenden privaten Pflegediensten zu verzeichnen. Dem begegnete der Verein erfolgreich mit Seriosität, hoher Qualität und positiver Außenwirkung seiner 5 Sozialstationen. In fast allen, von den ambulanten Einrichtungen angebotenen, Leistungsbereichen konnten neue Kunden gewonnen werden. Die Gesamtanzahl der versorgten Kunden der ambulanten Einrichtungen konnte in 2015 gegenüber dem Vorjahr um 12,2 % gesteigert werden. Besonders erfolgreich konnten verschiedene Leistungsangebote zur Entlastung pflegender Angehöriger ausgebaut werden. Der resultierende Gesamtumsatz aller ambulanten Pflegeeinrichtungen aus diesem Angebotspool konnte gegenüber dem Vorjahr um 126,2 % gesteigert werden. Teilweise generieren die ambulanten Einrichtungen inzwischen bis zu 20 % ihrer Erlöse aus den Entlastungsleistungen für pflegende Angehörige. In den Qualitätsprüfungen bescheinigte der Medizinische Dienst der Krankenkassen allen 5 Sozialstationen des Vereins eine sehr gute Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität. Im Durchschnitt wurde den ambulanten Pflegeeinrichtungen des Vereins die Note 1,08 erteilt.

In der Behindertenhilfe verzeichneten die 2 Wohnheime für behinderte Menschen mit angegliedertem Trainingswohnen und das ambulant betreute Wohnen, die Werkstatt für behinderte Menschen, die Obdachlosenunterkunft und die Schule eine sehr stabile Auslastung. Dies spricht für eine qualitativ hochwertige Betreuung und sozial verträgliche Kostensätze.

In den Wohnheimen, dem Trainingswohnen und dem ambulant betreuten Wohnen werden insgesamt 120 Menschen betreut und gefördert. Selbstbestimmtes, inklusives Leben ist stets der Ansatz der Hilfen.

In der Werkstatt für behinderte Menschen in Bergen auf Rügen und ihren Betriebsstätten arbeiten derzeit 230 Mitarbeiter. Weiteren Anfragen behinderter Menschen, eine Beschäftigung im Verein aufzunehmen, kann der Verein jederzeit entsprechen. Neben der ausgezeichneten beruflichen Qualifikation der behinderten Menschen leisten die Rügener Werkstätten durch ihre qualitativ hochwertigen Produkte und Dienstleistungen ihren Anteil am positiven Ansehen des Vereins im Einzugsgebiet und darüber hinaus.

In der Schule Patzig mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung wurden 2015 im Durchschnitt täglich 60 Schüler unterrichtet. Ständig ist die Schule auf der Suche nach neuen pädagogischen Möglichkeiten und neuen Methoden den Lehrstoff für ihre Schüler individuell zu gestalten.

Die Kapazität der Obdachlosenunterkunft (OLUK) betrug im Berichtsjahr 36 Plätze, welche durchschnittlich zu 99 % ausgelastet waren. Der Kostensatz, zusammen mit dem Zuschuss der Stadt Stralsund, sorgt für eine stabile wirtschaftliche Situation.

Die OLUK ist in Stralsund und Umgebung die einzige Einrichtung für obdachlose Menschen. Ziel ist, die Nutzer der OLUK durch eine grundlegende Hilfe und Anleitung zu befähigen, ein normales, subjektiv zufriedenes und selbstorganisiertes Leben in einer eigenen Wohnung, mit einem eigenen Einkommen und mit einer regelmäßigen Beschäftigung im Rahmen der gesetzlichen Normen zu führen.

Das Interesse älterer Bürger an den Wohnungen im Service Wohnen in Bergen-Rotensee mit 30 Wohnungen und in Stralsund am Strelasund mit 66 Wohnungen war auch im aktuellen Berichtsjahr groß. Selbstbestimmtes Wohnen im Alter, in eigener Häuslichkeit und sich nicht allein gelassen fühlen, ist die attraktive Wohnform für Senioren unserer Wohnanlagen. Die Mitarbeiter vor Ort leisten auf hohem Niveau eine sehr gute Arbeit. Dies zeigt sich auch darin, dass von den über 90-jährigen Bewohnern immer noch viele aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

Die Attraktivität und damit die Auslastung im Service Wohnen Stralsund konnte durch den Umbau weiterer Wohnungen gesteigert werden. Hier wurde das Nachfrageverhalten der Mietinteressenten zugrunde gelegt. Um dem wachsenden Marktangebot künftig erfolgreich zu begegnen, ist der Anbau von Balkonen für das Geschäftsjahr 2016 geplant.

Die Einsatzzahlen im Rettungsdienst im Geschäftsjahr 2015 haben sich deutlich erhöht. Auch in diesem Jahr ist es gelungen, den saisonalen Notarztstützpunkt in der Rettungswache Baabe für den Bereich Mönchgut zu etablieren. Weiterhin sind im Rahmen der 3-jährigen Ausbildung zum Notfallsanitäter wieder Auszubildende eingestellt worden. Gleichzeitig haben die Planungsarbeiten für den Neubau der Rettungswache Stralsund begonnen.

Durch die vorsorglich vom Verein eingeleiteten Maßnahmen, wie zum Beispiel die Steigerung der Attraktivität der Notarztstützpunkte als auch die Beschaffung neuesten medizinischen Equipments für die Notfallrettung, konnte wie in den Vorjahren auch die Besetzung aller Notarztstützpunkte in Bergen, Sassnitz und Baabe ohne Defizite rund um die Uhr an allen Tagen im Jahr sichergestellt werden. Das erfolgreich etablierte Qualitätsmanagement nach der DIN ISO 9001:2008 im Rettungsdienst ist im November erneut im Rahmen der Rezertifizierung durch die DEKRA ausgezeichnet worden.

Durch die Neuordnung des Fahrdienstes im Kreisverband ist es uns auch in diesem Jahr gelungen, ein ausgeglichenes Ergebnis zu erwirtschaften und somit die vorhandenen Arbeitsplätze langfristig zu sichern. In diesem Zusammenhang ist auf dem Nachbargrundstück der Werkstatt für behinderte Menschen der Neubau eines Technik- und Ausbildungszentrums geplant, in dem auch der Fahrdienst integriert werden soll.

Auch der Geschäftsbereich Familie und Bildung zeigt über Jahre eine stabile Entwicklung. Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen in unseren 6 Kindertageseinrichtungen auf Rügen und in Stralsund ist nach wie vor hoch. Gemäß KiföG M-V wurde im Berichtsjahr 2015 damit begonnen, die Größe der Kindergartengruppen von 18 auf durchschnittlich 15 Kinder abzusenken. Dieser Prozess wird sich über die nächsten drei Jahre hinziehen.

Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen in der Kindertageseinrichtung "Am Bodden" in Stralsund ist ähnlich hoch wie auf Rügen. Die Nachfrage nach Hortplätzen ist in Stralsund 2015 stark gestiegen. Nach Rücksprache mit der Schulleitung konnten dem Verein mit Schuljahresbeginn im August 2015 zusätzliche Räume für den Hortbereich zur Verfügung gestellt werden. Dadurch wurde die Kapazität von 88 auf 125 Hortplätze aufgestockt.

In Folge der Flüchtlingssituation hat der Landkreis Vorpommern-Rügen festgelegt, dass Flüchtlingskinder ab dem 1. Lebensjahr mit dem Status Duldung und Gestattung einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz haben. Die Kindertageseinrichtung "Am Bodden" in Stralsund hat einige Flüchtlingskinder im Hort aufgenommen. Die Integration läuft größtenteils gut und die Kinder haben die Möglichkeit, an allen Angeboten teilzunehmen. In der Schule werden die Kinder in separaten DAZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) unterrichtet, sodass sie die deutsche Sprache schnell beherrschen lernen. Sprachliche Barrieren gibt es aber häufig bei der Kommunikation mit den Eltern. In den anderen Kindertageseinrichtungen gab es bisher keine Nachfrage nach Betreuungsplätzen.

Darstellung der Lage des Vereins

Die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Vereins ist geordnet. Der Verein war zu jeder Zeit in der Lage, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Im Branchenvergleich verfügt er über eine gute Bonität und gefestigte Bilanz.

Die Bilanzsumme des Vereins beträgt 55.310 TEUR. Die Bilanzstruktur hat sich gegenüber dem Vorjahr nur unwesentlich verändert. Das Sachanlagevermögen in Höhe von         37.014 TEUR ist langfristig durch Eigenkapital, Sonderposten aus Zuschüssen und Zuweisungen zur Finanzierung des Sachanlagevermögens und Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten finanziert. Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sind kurzfristig realisierbar. Die liquiden Mittel des Vereins und die kurzfristig realisierbaren Forderungen reichen aus, den kurzfristigen Verbindlichkeiten und Rückstellungen nachzukommen. Durch die Rückstellungen wird allen erkennbaren Risiken des Vereins Rechnung getragen.

Das Berichtsjahr wurde mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen. Die Erträge aus satzungsmäßigen Betätigungen sind gegenüber dem Vorjahr um rund 5 % angestiegen. Diese Erträge wurden im Wesentlichen in folgenden Geschäftsbereichen erzielt:

Geschäftsbereich Erträge
ambulante und stationäre Pflege 49 %
Behindertenhilfe 18 %
Rettungsdienst 19 %
Familie und Bildung sowie Service Wohnen 9 %

Die hierfür erforderlichen Personalaufwendungen betragen rund 68 % dieser Erträge.

Chancen und Risiken der künftigen Entwicklung

Für den Verein bestehen derzeit keine bestandsgefährdenden Risiken.
Die künftige Entwicklung des Vereins als sozialer Dienstleister im Bereich der Gesundheits- und Wohlfahrtspflege hängt stark von der Vorgabe der Rahmenbedingungen durch den Gesetzgeber ab. Aufgrund der sehr hohen Verschuldung der öffentlichen Haushalte und Sonderausgaben in der deutschen und europäischen Asylpolitik wird die notwendige Haushaltskonsolidierung voraussichtlich auch zu Einsparungen im sozialen Bereich führen. Perspektivisch kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Ertragskraft einiger Geschäftsbereiche nachlassen wird. Der Verein beobachtet und analysiert die Entwicklungen fortlaufend, um jederzeit vorbereitet zu sein und reagieren zu können.

Die natürliche territoriale Abgrenzung als Insel verringert nur noch partiell Markteinflüsse. Die Hansestadt Stralsund, als neue Kreisstadt des Landkreises Vorpommern-Rügen, liegt als Ober- und Verwaltungszentrum auf dem Festland. Durch die Mitarbeit in wichtigen Gremien sowie mit verschiedenen Partnern, die im Gesundheits- und sozialen Dienstleistungsbereich eine steuernde und gestaltende Wirkung im neuen Landkreis ausüben, verstärkt der Verein seine Chance, seine Leistungen für pflege- und hilfsbedürftige Menschen einzubringen. Der Verein wird dies weiter forcieren und sein Leistungsangebot auf dem Festland ausbauen.

Insgesamt ist zu beobachten, dass aus der ländlichen Fläche öffentliche Ämter und Verwaltungsangestellte in das Oberzentrum und die neue Kreisstadt Stralsund umziehen oder abwandern. Dies führt für die Insel Rügen zu einer Ausdünnung und einer immer stärkeren Ausrichtung als ländliches Umfeld des wirtschaftlichen und politischen Oberzentrums Hansestadt Stralsund. Der Verein berücksichtigt diese Entwicklung in seinen strategischen Planungen.

Trotz vorhandener struktureller und organisatorischer Stärken spürt der Verein in der vollstationären und ambulanten Pflege sowie in der Behindertenhilfe zunehmend den Marktdruck von Mitbewerbern. Dies wird durch den Verein aber als Chance zur Selbstreflexion und Implementierung von Veränderungen gesehen. Der Verein wird weitere Anstrengungen unternehmen, um seine Position im sich verändernden Sozialmarkt zu festigen.

In den umsatzstarken Geschäftsbereichen - vollstationäre und ambulante Pflege, Rettungsdienst, Behindertenhilfe und Familie und Bildung - besteht eine große Abhängigkeit von den Vertragspartnern und Kostenträgern. So hängen die erzielbaren Erlöse in sehr hohem Maße von den Ergebnissen der Verhandlungen und von zentralen gesetzlichen Festlegungen ab. Sie bestimmen maßgeblich den Rahmen wirtschaftlichen Handelns und beeinflussen sowohl das Marktvolumen als auch die Preise der Angebote äußerst intensiv. Insgesamt ist in allen Geschäftsbereichen ein steigender Kostendruck zu verzeichnen. Der Verein versucht dem durch höhere Leistungsqualität, Kostensenkungen, Optimierung von Abläufen, Transparenz und Offenheit gegenüber den Kostenträgern zu begegnen. Deshalb kann das allgemeine Geschäftsrisiko - auch aufgrund der gesunden wirtschaftlichen Basis - als gering eingestuft werden.

Im Januar 2016 trat das Pflegestärkungsgesetz II (PSG II) in Kraft. Viele Anforderungen und Änderungen aus diesem Gesetz greifen erst im Jahr 2017. Der Verein wird stark gefordert sein, um sich diesen Änderungen zu stellen. Wie bereits mit dem Pflegestärkungsgesetz I begonnen, wird die ambulante Pflege gegenüber der stationären Pflege gestärkt.
Durch abgesenkte gesetzliche Budgets der unteren Pflegegrade in § 43 SGB XI und die Regelungen zum absoluten Bestandsschutz für diejenigen, die bis zum 31.12.2016 in eine stationäre Pflegeeinrichtung eingezogen sind, werden voraussichtlich dazu führen, dass die Nachfrage an Heimplätzen im 4. Quartal 2016 erheblich steigen wird. Gleichzeitig bedeutet dies aber auch, dass die Nachfrage nach stationären Pflegeplätzen vor allem im 1. Quartal 2017 außerordentlich gering sein wird. Abweichend von diesem bundesweit zu erwartenden Trend sieht der Verein durch diese Veränderungen eher ein geringeres Risiko. Die Nachfrage nach stationären Pflegeplätzen ist auf der Insel Rügen seit Jahren unverändert hoch. In allen Einrichtungen werden "Wartelisten" geführt. Freie Pflegeplätze sind in der Regel nach 7-9 Tagen neu besetzt. Unverändert ist die Pflegebedürftigkeit bei Einzug in die Pflegeeinrichtungen gestiegen. In der Regel erfolgt der Einzug, wenn die ambulante Pflege nicht mehr ausreichend ist oder pflegende Angehörige mit der Situation überfordert sind.

Im Rahmen der Dienstleistung Rettungsdienst wurde auch die Sicherstellung von Notarztstützpunkten mit Notärzten im Rettungsdienstbereich Rügen vertraglich geregelt. Die Sicherstellung erfolgt überwiegend mit Notärzten, die als Honorarkräfte tätig sind. Durch die Deutsche Rentenversicherung (DRV) wurde eine Überprüfung der Honorarärzte auf Sozialversicherungspflicht durchgeführt. Im Rahmen dieser Prüfung wurde eine Sozialversicherungspflicht für diese Berufsgruppe festgestellt. Gegen den Bescheid der Rentenversicherung läuft derzeit ein Widerspruchsverfahren. Gleichzeitig hat sich das Landessozialgericht (LSG) in Neustrelitz mit dieser Problematik beschäftigt. In dem durch das LSG gesprochenen Urteil wurde die Sozialversicherungspflicht der Notärzte bestätigt. Gegen dieses Urteil läuft noch eine Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundessozialgericht, über die in Kürze entschieden wird.
Da die Ärzte den Notarztdienst neben ihrer eigentlichen beruflichen Tätigkeit betreiben, hätten wir keine Möglichkeit, diese Notärzte im Kreisverband zu beschäftigen. Bei einer Umsetzung des Urteils des LSG könnten durch die damit verbundene erzwungene Festeinstellung der Ärzte die Notarztstützpunkte in Sassnitz und Baabe nicht und der Notarztstützpunkt in Bergen auf Rügen nur teilweise mit Notärzten besetzt werden. Die zunehmende Verknappung des Angebotes an notärztlicher Dienstleistung auf dem Arbeitsmarkt sowie die verschärften Anforderungen an Notärzte im Hinblick auf die Fort- und Weiterbildung und notwendige Nachweise, erschweren ohnehin die Möglichkeit ausreichend qualifiziertes Personal für die notärztliche Versorgung im Rettungsdienst zu finden. Der Verein sieht hier ein gravierendes Risiko bei der Erfüllung seiner vertraglichen Pflichten. Entsprechende Hinweise und Anzeigen beim Träger des Rettungsdienstes sind mehrfach erfolgt. Es wurde in dem Zusammenhang auch auf die Folgen einer damit verbundenen eingeschränkten notärztlichen Versorgung der Bevölkerung hingewiesen.

Die in Garz neu errichtete Prima-Klima-Kita wurde am 15. September 2014 durch den Verein in Betrieb genommen. Für die Baumaßnahmen waren umfangreiche Finanzmittel und Förderungen erforderlich, die sich auf den Kostensatz steigernd auswirkten. Der Verein kann den Eltern im Garzer Einzugsbereich nun eine überaus moderne Kindertageseinrichtung mit bester pädagogischer und konzeptioneller Betreuung anbieten. Die Entwicklung des Kostensatzes ist durch ein transparentes Monitoring zu beobachten.

Auch in diesem Berichtsjahr musste sich der Verein der bestehenden verschärften Konkurrenzsituation auf dem Arbeitsmarkt um gut ausgebildetes Fachpersonal stellen. Es wurde deutlich schwieriger, frei werdende Stellen mit einem speziellen Anforderungsprofil zeitnah zu besetzen. Eine faire Bewertung der Arbeitsleistung, eine attraktive betriebliche Altersvorsorge, eine Zusatzgratifikation und ein umfangreiches betriebliches Gesundheitsmanagement tragen dazu bei, dass der Verein seine starke Position auf dem Markt für gut ausgebildete Fachkräfte halten konnte.

Eine neue Beschäftigungs- und Entgeltvereinbarung, in der neben der Verbesserung der Rahmenbedingungen unserer Beschäftigten auch das unterschiedliche Umfeld der verschiedenen Bereiche noch stärker Berücksichtigung findet, wurde zum 01. Januar 2015 eingeführt. Um die Attraktivität der Arbeitsverhältnisse weiter zu erhöhen, wurden im Berichtsjahr Lohnerhöhungen für verschiedene Sparten des Unternehmens beschlossen und teilweise schon umgesetzt.

Für die Zukunft plant der Verein ein Maßnahmenbündel, um dem zunehmenden Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Über eine strategische Personalplanung wird der zukünftige Personalbedarf ermittelt, der über ein verbessertes Personalmarketing, verstärkte Aus- und Weiterbildung, intensivere Zusammenarbeit mit Hoch- und Fachschulen und dem verstärkten Nutzen von Synergieeffekten gedeckt werden soll.

Insgesamt kann eingeschätzt werden, dass dem Verein in seiner Geschäftstätigkeit nur übliche Risiken für geschäftliche Betätigung drohen, denen der Verein durch intensive Verhandlungsvorbereitung, durch ein zeitnahes Controlling sowie durch konsequentes Steuern der Einrichtungen in den Geschäftsbereichen begegnet. Auf diese Weise werden mögliche Risiken frühzeitig erkannt und minimiert.

Vorgänge besonderer Bedeutung nach dem Ende des Geschäftsjahres

Weitere Vorgänge von besonderer Bedeutung nach dem Ende des Geschäftsjahres waren nicht zu verzeichnen.

Voraussichtliche Entwicklung

Das Deutsche Rote Kreuz sieht sich im gegenwärtigen Jahrzehnt großen Herausforderungen gegenüber. Um diese Aufgaben erfolgreich zu meistern, wird die Strategie 2010plus durch das Eckpunktepapier "Menschen helfen - Gesellschaft gestalten" weitergeführt und das Profil des DRK 2016 durch die neue Kampagne "Zeichen Setzen" weiter geschärft.

Für eine inhaltliche Profilbildung muss darüber hinaus der humanitäre Ansatz klar ersichtlich sein und die Gesellschaft vom Nutzen und Mehrwert des Roten Kreuzes überzeugt werden. Dies ist der Schlüssel dafür, dass der Verein für seine ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter, seine Kunden sowie fördernden Mitglieder und Spender attraktiv bleibt.

Für das Berichtsjahr 2016 geht der Verein basierend auf dem Wirtschaftsplan von einem ausgeglichenen Ergebnis aus. Wegen des weiter steigenden Kostendrucks im Gesundheitswesen rechnet der Verein kurz- bis mittelfristig inflationsbereinigt nicht mit größeren Umsatzsteigerungen. Das erfordert weitere Anstrengungen auf der Kostenseite und eine noch intensivere Prüfung von Investitionen bezüglich ihrer Refinanzierung, um auch zukünftig Verluste zu vermeiden.

Zusammenfassend wird eingeschätzt, dass der Verein "Deutsches Rotes Kreuz Kreisverband Rügen-Stralsund e.V." den Aufgaben der Zukunft gewachsen ist.

Bergen auf Rügen, den 10.06.2016

Gerhard Konermann Jens Witschel
Vorsitzender des Vorstandes Mitglied des Vorstandes