Im Gruppenraum der großen Gruppe der DRK-Kita „Heidehummeln“ in Baabe herrscht geschäftiges Treiben. Die Kinder bereiten sich auf ihre erste Müllsammelaktion vor. Auf den leuchtend gelben Warnwesten prangt bereits das Logo der „Heidehummel-Mülldetektive“ – gut sichtbar und kaum zu übersehen im Ortsbild. Jetzt noch Handschuhe anziehen, Greifer verteilen, den Bollerwagen mit vier verschiedenfarbigen Eimern beladen – und schon kann es losgehen.
Was für die Kinder wie ein kleines Abenteuer beginnt, ist zugleich der Auftakt für ein Projekt mit großer Bedeutung: Künftig wollen die Heidehummeln alle zwei Wochen mit wechselnden Kindergruppen in Baabe Müll sammeln und dabei ganz praktisch lernen, wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit im Alltag aussehen können.
Die Müllsammelaktion ist Teil eines größeren Entwicklungsprozesses der Einrichtung. Bereits im vergangenen Jahr entstand im Austausch zwischen der Fachberaterin Roswitha Liebenau und der Einrichtungsleiterin Katrin Bugenhagen die Idee, die Kita konzeptionell als BNE-Kita weiterzuentwickeln. BNE steht für Bildung für nachhaltige Entwicklung und verfolgt das Ziel, Kinder frühzeitig für nachhaltiges Denken und verantwortungsvolles Handeln zu sensibilisieren. Schnell war dabei klar, dass es nicht ausreicht, Nachhaltigkeit allein in der pädagogischen Konzeption festzuschreiben. Vielmehr soll sie im Alltag der Kinder sichtbar und erlebbar werden und zugleich das Umfeld der Kita einbeziehen.
Mit diesem Gedanken wandten sich die beiden Frauen zu Beginn des Jahres an den Bürgermeister der Gemeinde Baabe und stellten ihre Idee vor. Dort stieß das Vorhaben sofort auf offene Ohren, denn die Gemeinde engagiert sich seit vielen Jahren aktiv für Umwelt- und Küstenschutz. Gemeinsam mit Veranstaltungsmanagerin Katrin Gruel wurden anschließend Möglichkeiten erarbeitet, wie die Kita und die Kurverwaltung ihre Aktivitäten sinnvoll miteinander verknüpfen und gemeinsame Projekte auf den Weg bringen können.
Ein wichtiger Baustein ist dabei die Umweltbildung im Alltag der Kinder. In der Kita wurde das Thema altersgerecht aufgearbeitet. In den Räumen der Einrichtung stehen inzwischen farbige Eimer bereit, die die Mülltrennung erleichtern und das Gelernte unmittelbar in den Tagesablauf übertragen. Auch außerhalb der Kita wird das Vorhaben von Partnern im Ort unterstützt. Bei Besuchen in der Bibliothek von Baabe beschäftigten sich die Kinder ebenfalls mit Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen. Bibliothekarin Martina Korth stellte dafür passende Bücher und Materialien zusammen und half so dabei, das Thema auf verschiedenen Ebenen erlebbar zu machen.
„Wir möchten sichtbar sein und auf die Entwicklung unserer Kita aufmerksam machen“, sagt Einrichtungsleiterin Bugenhagen. Sichtbarkeit spielt bei dem Vorhaben eine wichtige Rolle. Zum einen sorgt sie dafür, dass die Kinder im Straßenraum gut zu erkennen sind, zum anderen trägt sie das Thema Nachhaltigkeit in die Öffentlichkeit. Unterstützung erhielt die Kita dabei von Christopher Heuser von Nordwear, der das Logo der „Heidehummel-Mülldetektive“ entwickelte und den Druck der Westen übernahm.
Begleitet von Katrin Bugenhagen, Roswitha Liebenau und Katrin Gruel von der Kurverwaltung Baabe machte sich die große Gruppe der „Heidehummeln“ schließlich bei sommerlichen Temperaturen auf den Weg durch den Ort. Schon nach kurzer Zeit zeigte sich, welche Spuren achtlos weggeworfener Müll im Alltag hinterlässt. Vor allem Zigarettenstummel mussten aufgesammelt werden, daneben fanden sich Verpackungsreste und weiterer Kleinstmüll. Für die Kinder wurde so unmittelbar sichtbar, wie schnell Abfälle in der Umwelt landen und wie viel Aufmerksamkeit es braucht, um sie wieder zu entfernen.
Zum Abschluss der Aktion kam ein Kollege der Kurverwaltung vorbei und holte die gefüllten Eimer ab. Der gesammelte Müll wird dem Wertstoffhof zugeführt. Noch fuhren die Kinder an diesem Tag nicht mit, um den weiteren Weg des Mülls zu verfolgen. Künftig ist dies jedoch vorgesehen. Denn auch zu verstehen, was nach dem Einsammeln geschieht und wo die Abfälle letztlich landen, gehört zum Bildungsansatz des Projekts.
Bis zur Zertifizierung als BNE-Kita liegt zwar noch ein Stück Weg vor den Initiatorinnen, doch die nächsten Schritte sind bereits in Vorbereitung. Fortbildungen sollen die weitere Entwicklung fachlich begleiten, zugleich werden zusätzliche nachhaltige Projekte geplant. So ist unter anderem vorgesehen, auf dem Heidebergspielplatz Hochbeete anzulegen. Diese sollen nicht nur den Kindergartenkindern zugutekommen, sondern auch Einheimischen und Gästen des Ortes offenstehen. Die Umsetzung ist voraussichtlich für die kältere Jahreszeit geplant.
Mit den „Heidehummel-Mülldetektiven“ setzt die DRK-Kita in Baabe ein sichtbares Zeichen für gelebte Umweltbildung. Das Projekt zeigt, dass nachhaltiges Handeln schon im frühen Kindesalter beginnen kann, alltagsnah, gemeinschaftlich und mitten im Ort.